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„Schutz darf nicht wehtun!“: SecureCare veröffentlicht neues Rechteheft für Kinder und Jugendliche

Junge Menschen haben Rechte. Auch in einer Krise.

Mit der ersten Auflage von „Schutz darf nicht wehtun!“ veröffentlicht SecureCare ein umfassendes Rechteheft für Kinder und Jugendliche, die von Deeskalationskräften oder Sicherheitskräften begleitet werden. Das Heft ist aus unserer praktischen Arbeit und der intensiven fachlichen Auseinandersetzung mit Kinderrechten, Kinderschutz und dem Einsatz externer Kräfte in pädagogischen Einrichtungen entstanden. Unser Ziel ist es, jungen Menschen verständlich zu erklären, welche Rechte sie haben, wo die Grenzen des Handelns von Erwachsenen liegen und an wen sie sich wenden können, wenn sie sich unsicher, ungerecht behandelt oder verletzt fühlen.

Denn auch in angespannten oder gefährlichen Situationen gilt: Junge Menschen sind nicht rechtlos. Ihre Würde und ihre Rechte gelten immer.

Warum dieses Rechteheft notwendig ist: Sicherheits- und Deeskalationskräfte werden mittlerweile in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Dazu gehören beispielsweise Wohngruppen, Schulen, Kliniken, Unterkünfte und andere Einrichtungen, in denen Kinder und Jugendliche begleitet werden. Häufig geschieht dies, weil Situationen als besonders belastend eingeschätzt werden, weil Fachkräfte Unterstützung benötigen oder weil die Sorge besteht, dass sich ein junger Mensch selbst oder andere gefährden könnte.

Für die betroffenen Kinder und Jugendlichen ist dabei jedoch nicht immer verständlich, warum zusätzliche Personen anwesend sind. Viele wissen nicht, welchen Auftrag diese Kräfte haben, was sie tun dürfen und wo ihre Befugnisse enden. Gleichzeitig können entsprechende Begleitungen mit Unsicherheit, Angst, Wut oder dem Gefühl verbunden sein, unter ständiger Beobachtung zu stehen.

Genau hier setzt unser Rechteheft an.

Es soll jungen Menschen Orientierung geben und sie dabei unterstützen, Fragen zu stellen, Grenzen zu benennen, ihre Sicht mitzuteilen und sich bei Bedarf Hilfe zu holen. Dabei wird bewusst nicht über die jungen Menschen gesprochen. Das Heft richtet sich unmittelbar an sie und nimmt ihre Wahrnehmung ernst.

Was junge Menschen in dem Heft erfahren.

Auf insgesamt 40 Seiten erklärt „Schutz darf nicht wehtun!“ in möglichst verständlicher Sprache, welche Aufgaben Deeskalations- und Sicherheitskräfte übernehmen können und welche Grenzen für ihr Handeln gelten.

Das Rechteheft beschäftigt sich unter anderem mit folgenden Fragen:

  1. Was bedeutet Schutz überhaupt?
  2. Was ist Deeskalation?
  3. Warum werden Sicherheits- oder Deeskalationskräfte eingesetzt?
  4. Was dürfen diese Personen und was dürfen sie nicht?
  5. Wann darf körperlich eingegriffen werden?
  6. Wann ist Festhalten nicht zulässig?
  7. Was ist der Unterschied zwischen Begleitung, Begrenzung, Festhalten und Fixierung?
  8. Was bedeutet Freiheitsentziehung?
  9. Welche Regeln gelten bei Krisen- oder Time-out-Räumen?
  10. Was muss nach einer Krise dokumentiert und besprochen werden?
  11. Wie können junge Menschen ihre Sicht einbringen?
  12. Wo können sie sich beschweren oder unabhängige Hilfe erhalten?

Ergänzt werden die Inhalte durch bundesweite Hilfsangebote, unabhängige Anlaufstellen, eine Seite für persönliche Vertrauenspersonen und eine Rechtekarte, die ausgeschnitten, abgeschrieben oder fotografiert werden kann.

Eine zentrale Botschaft zieht sich durch das gesamte Heft: Schutz darf nicht dazu benutzt werden, junge Menschen zu bestrafen, einzuschüchtern, zu beschämen oder gefügig zu machen.

Es kann Situationen geben, in denen Erwachsene schnell reagieren und eine akute Gefahr stoppen müssen. Andere Menschen müssen geschützt werden. Auch der betroffene junge Mensch selbst muss geschützt werden. Trotzdem darf ein notwendiges Eingreifen nicht aus Wut, zur Machtausübung oder als erzieherische Strafe erfolgen.

Körperliches Eingreifen darf nicht der einfache erste Weg sein. Mildere Möglichkeiten müssen berücksichtigt werden, sofern es die Situation zulässt. Dazu können ruhiges Sprechen, Abstand, eine Pause, weniger Reize, ein sicherer Ort oder das Hinzuziehen einer vertrauten Person gehören.

Wenn dennoch körperlich eingegriffen werden muss, muss dies so vorsichtig, so kurz und so wenig eingreifend wie möglich erfolgen. Danach darf nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden. Es braucht eine faire Dokumentation, eine Überprüfung des Geschehens und eine Nachbesprechung, bei der auch die Wahrnehmung des jungen Menschen gehört wird.

Uns ist bewusst, dass 40 Seiten für einige Kinder und Jugendliche eine Herausforderung darstellen können. Während der Entwicklung haben wir intensiv darüber nachgedacht, ob sich die Inhalte deutlich kürzer darstellen lassen.

Dabei wurde jedoch schnell deutlich, wie umfangreich und sensibel dieses Themenfeld ist. Eine zu starke Verkürzung hätte wichtige Unterschiede, Schutzfragen und Beschwerdemöglichkeiten ausgeblendet. Deshalb haben wir uns bewusst für ein ausführlicheres Rechteheft entschieden.

Junge Menschen müssen das Heft nicht allein und auch nicht vollständig auf einmal lesen. Manche Inhalte können belastend sein, weil darin unter anderem über Angst, Gewalt, Festhalten, Fixierung oder Freiheitsentziehung gesprochen wird.

Wir empfehlen daher, gemeinsam mit dem jungen Menschen zu schauen, welche Form der Nutzung passend ist. Das Heft kann zusammen mit einer Vertrauensperson, einer Bezugspädagogin oder einem Bezugspädagogen, einer Betreuungsperson, einem Vormund oder einer anderen vertrauten Person gelesen und besprochen werden. Pausen sind dabei ausdrücklich erlaubt.

„Schutz darf nicht wehtun!“ wurde vollständig von SecureCare entwickelt und veröffentlicht.

Mit dem Rechteheft greifen wir einen Bereich auf, der bislang nur wenig spezifisch bearbeitet wurde und laden ein, zum fachlichen Austausch. Wir freuen uns über Rückmeldungen von jungen Menschen, pädagogischen Fachkräften, Trägern, Jugendämtern, Einrichtungsaufsichten, Ombudsstellen und weiteren Personen, die sich mit Kinderrechten und Kinderschutz beschäftigen. Konstruktive Kritik, fachliche Hinweise und Erfahrungen aus der Praxis helfen dabei, zukünftige Auflagen weiterzuentwickeln. Denn guter Kinderschutz lebt davon, dass bestehende Praxis überprüft, unterschiedliche Perspektiven gehört und die Sichtweisen junger Menschen konsequent berücksichtigt werden.

Bestellung und Anfragen

In den kommenden Tagen wird unsere Webseite erweitert. Anschließend können Träger, Einrichtungen, Fachkräfte und weitere Interessierte das Rechteheft direkt über unsere Webseite anfragen beziehungsweise bestellen.

Bis zur Freischaltung der neuen Bestellmöglichkeit können Anfragen bereits per E-Mail an anfragen@secure-care.de gerichtet werden.

Unser Anliegen ist klar: Wenn Sicherheits- oder Deeskalationskräfte Teil eines Hilfesettings werden, müssen die Würde, die Beteiligung und die Rechte junger Menschen konsequent geschützt werden.

Dieses Heft ist für junge Menschen. Nicht über sie.

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